Der Anruf kam unerwartet und war eine erfreuliche Abwechslung: Gaby, eine Freundin seit gemeinsamen Kindergartentagen, rief an. Wir hatten uns kurz nach dem Studium aus den Augen verloren. Ich lernte damals meinen – leider zu früh verstobenen – Mann kennen und zog mit ihm in den bayerischen Raum, sie blieb im Ruhrgebiet. Ab und zu telefonierten wir miteinander und treffen uns einmal im Jahr um den neusten Tratsch aus meiner alten Heimat. Ich hatte gerad im Garten gearbeitet als das Telefon losging: Beim Spurt ins Haus hatte ich einiges an Dreck mit ins Wohnzimmer getragen. Wir redeten über alls Mögliche: Über ihre Familie, über ihren Beruf und über meinen Job. Halbtags schaffe ich als Designerin in einer Medienagentur, Gaby schafft 20 Stunden die Woche in einer Anwaltskanzlei. Mein Mann starb einige Wochen nach unserer Hochzeit an einem nicht diagnostizierten Herzfehler: Er kam aus einer wohlhabenden Familie und hat mir einiges hinterlassen – theoretisch bräuchte ich nicht arbeiten gehen. Ich bin danach – als junge Witwe – Single geblieben und hatte seitdem sowas wie eine Affäre, die aber nur von kurzer Dauer war. Ich vermisse in der Hinsicht aber nichts, vielleicht mal von Kindern abgesehen. Dafür war es nun aber – ich bin 41 Jahre alt – zu spät. Gaby hatte zwei Kinder. Einen Sohn im Alter von 17 Jahren – Ruben – und einen pubertierenden Buben im Alter von 14 Jahren namens Benjamin. Der ältere Junge war der Grund ihres Anrufs. “Brigitte, ich habe da ein echtes Problem. Dies ist auch der Grund meines Anrufs.” sagte sie, nachdem ich mich nach den Kindern erkundigt hatte. “Ich habe Urlaub gebucht: Mit Benjamin geht´s für drei Wochen nach Kanada. Ruben hat gerade so eine merkwürdige Phase. Erste richtige Freundin hat ihn verlassen, ein paar komische Freunde die ihn auf komische Ideen bringen: Er hatte einfach keine Lust auf Urlaub mit mir. Sein Vater wollte ihn drei Wochen zu sich nehmen, aber Du kennst ja meinen lieben Exmann: Es kam nun beruflich was dazwischen. Er würde unheimlich gerne bei Dir unterkommen für drei Wochen. Du hättest Unterhaltung und ich würde Kostgeld mitgeben.” Ich war fast nicht verlüfft: Gaby war dafür bekannt, die Katze sofort aus dem Sack zu lassen. “Und wieso möchte er unbedingt zu mir? Ich hab ihn zuletzt gesehen da war er gerade sieben oder so.” Ich war beeindruckt, wie Gaby Nägel mit Köpfen gemacht hatte: “Er möchte zu dir, weil du doch die Karte über hast für den 2. August in München.” Ich verstand nur Bahnhof. “Du hast doch die zwei Karten für das Bad-Religion-Konzert in München am 2. August, hast aber keine Lust alleine zu gehen. Und mein Sohn ist ein Fan dieser Gruppe.” Ich weiß nicht, was mich mehr überraschte: Das Gabys Sohn der – altersmäßig – genau so gut mein Sohn sein könnte den gleichen Musikgeschmack hat wie ich vor 20 Jahren oder der Fakt, daß es diese Gruppe überhaupt noch gab. “Sind die jünger oder älter als die Dubliners?” fragte ich mit sarkastischen Unterton ins Telefon. Gaby, eine Freundin irischer Musik, musste kichern: “Etwas jünger definitiv. Also: Darf ich dir nun die Karten, die du bei diesem Internetquiz gewonnen hast, zusenden. Ich bringe meinen Sohn auch persönlich vorbei.” Ich musste nicht lange überlegen: Gaby mal wieder zu sehen, war keine schlechte Sache. Und wenn ich Gabys Sohn zu notwendigen Arbeiten am Haus heranführen könnte – die Fenster mussten mal wieder durch einen Anstrich wetterfest gemacht werden, ich wollte den Garten umgestalten und bräuchte dafür ein paar Hände mehr – wäre das eine prima Sache. Ich konnte nur die Risiken eines 17jährigen Jungen schlecht abwägen. “Gibt´s da irgendeinen Haken?” Gaby verneinte meine Frage. “Er trinkt ab und zu ein Bier, aber keine harten Sachen. Er steht auf Netzwerkspiele, aus diesem Grunde möchte ich ihn nicht alleine im Haus haben: Dann ziehen seine Freunde für die Zeit meiner Abwesenheit und verändern das Haus in eine Trümmerlandschaft.” Ich fragte mit ernster Stimme nochmals nach: “Also: Kein Heroin, keine Joints, kein Koks, kein Schnaps. Der einzige Pferdefuß wäre: Es spielt gerne irgendwelche Ballerspiele?” Gaby antwortete mit ernster Stimme: “Heroin ist tabu: Er mag keine spritzen, Koks ist zu teuer, Zigaretten oder gar Joints selber drehen kann er nicht und Alkohol ist einfach nicht sein Ding. Ruben steht mehr auf Red Bull.” Ich zündete mir eine Zigarette an. “Nicht nur Koks ist zu teuer, Zigaretten ebenso. OK. Du kannst ihn bringen. Einen jungen Hengst mit viel Stehvermögen im Haus zu haben, kann ja nicht schaden.” Gaby war unmöglich: “19 bis 20 Zentimeter junges männliches Fleisch mit viel Standvermögen ganz für dich alleine! Jungs in dem Alter sollen ja experimentierfreudig sein.” Ich musste lachen: “Du bist genauso schlimm wie früher!” Wir unterhielten uns dann noch eine ganze Weile über unsere Jobs und unsere Facebookfreunde: Eine ganze Anzahl gemeinsamer Freunde und Freundinnen aus Schul- und Dicsotagen war inzwischen zu einem eigenen Netzwerk zusammengewachsen. Wir beendeten dann irgendwann das Telefonat: Meine Freundin wollte mir die Karten für das Bad-Religion-Konzert mit der Post zukommen lassen – so daß ich diese bereits habe, wenn meine Gaby mit ihrem Sprössling aufkreuzt. Ein cleverer Schachzug: Sie wusste, ich war ein Fan dieser Gruppe und könnte mich nicht mer von meiner spontan gefällten Entscheidung zurückziehen, wenn ich die Karten einmal in den Händen hätte. Ich ging wieder in den Garten um meine Arbeit zu beenden, hatte aber irgendwie keine rechte Lust mehr alleine im Garten zu schaffen. Ich versorgte im Haus die Katze, machte mir einen Kaffee und ging ins Bad um mich zu duschen. Draussen waren an diesem Julitag gut und gerne 35 Grad: Ich hatte ordendtlich geschwitzt. Ich zog mich aus und betrachtete mich zufrieden im Spiegel. Für meine 41 Jahre konnte ich mich meiner Meinung nach sehen lassen: Schöne Titten, nicht zu groß, nicht zu klein. Kein übermäßiges Fett an den Problemzonen und einen schönen Popo. Mein tägliches Fitnesstraining – abwechselnd Kniebeugen, Sit-Ups, Fahrradfahren und/oder Jogging zahlte sich aus. Meine Bikinizonen waren haarfrei, nur ein schmaler Landestreifen zurechtgestutzter Schamhaare zierte meinen Venushügel. Auch wenn ich weit davon entfernt war sowas wie eine Beziehung oder Affäre zu haben, wollte ich doch überall gut aussehen. Ich beschloss ein richtiges Bad zu nehmen statt nur zu duschen und ließ Wasser in die Wanne. Während die Wanne sich mit lauwarmen Wasser füllte, holte ich meinen kleinen Freudenspender – einen wasserdichten Vibrator – aus meiner Nachttischschublade. Ich duschte in der Dusche kurz meine Haare ab und wusch diese, dann ging ich in die Badewanne. Ich ließ ein wenig Badezusatz ins Wasser und stellte das Wasser ab. Ich war gut gelaunt und massierte mit dem Vibrator meine Brustwarzen. Im Radio lief gerade “All Summer long” von Kid Rock und ich schaltete den Vibrator ein. Er surrte leise während ich ihn weiter unter die Wasseroberfläche führte und meinen Kitzler – und mir – eine kleine Freude bereitete.
Wird fortgesetzt!